Der Sturm peitscht mir den Regen horizontal ins Gesicht und als ich die Schubkarre durch den Schlamm schieben will, rutsche ich auf dem glitschigen Untergrund weg und bleibe stecken. “Nochmal gut gegangen”, denke ich, schließlich bin ich weder im Matsch gelandet, noch ist mir die Schubkarre umgefallen. Und dann schiebe ich weiter. Ich mache das jeden Tag. Manchmal bei Sonnenschein, manchmal bei Dauerregen, manchmal bei Gewitter und manchmal bei Eis und Schnee. Dann kommt auch noch das Wasserkanister-Schleppen hinzu.
Wenn ich gehe, dann ist der Stall sauber, die Unterstände geharkt, die Badewanne geschrubbt und wenn es ein richtig guter Tag war, dann sind die Mähnen enttüddelt, und die Pferde glänzen. Ich weiß genau, dass morgen alles wieder wie vorher aussehen wird. Dass ich auch morgen wieder die Schubkarre durch das Wetter des Tages schiebe, einen Haufen Hinterlassenschaften nach dem anderen aus dem Schlamm kratze und dass es übermorgen wieder genauso sein wird. Und nichts macht mich glücklicher als das hier.
Erklären kann ich das auch nicht so richtig. Außenstehende denken, es sei die Zeit mit den Pferden. Es ist ja schließlich erwiesen, dass Tiere sich positiv auf unser Wohlbefinden auswirken – und ja, die sind es sicherlich auch. Aber seien wir mal ehrlich: Es ist die Kacke. Zumindest auch. Zumindest ein bisschen.
Es ist dieses Gefühl einer bewältigbaren Aufgabe gegenüberzustehen und am Ende zu sehen, was man geschafft hat. Draußen zu sein, bei Wind und Wetter seinen Körper zu bewegen und etwas zu schaffen, das ist etwas Greifbares. Etwas, das in unserer chaotischen, theoretischen Welt ganz einfach ist. Die Handgriffe laufen automatisch ab. Oft habe ich ein Hörbuch auf den Ohren. Oder Musik. Und dabei muss mein Gehirn nichts leisten. Ich muss nichts planen, nichts wissen, nichts co-regulieren. Ich muss nur Äppel schaufeln. Und so schaffen drei Stunden Stall, was drei Wochen Urlaub schon lange nicht mehr können: Ich spüre mich wieder, bin wieder ein kleines bisschen ich selbst. Und ich bin glücklich.
Bildquelle: KI-generiertes Bild, Gemini
